Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg

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10 JAHRE LANDESWETTBEWERB

Das Preisträger-Seminar - ein Stück lebendiger Ost-West-Erfahrung

VON WOLFRAM MAUSER

 

Die Begegnung der Preisträger des Landeswettbewerbs Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg und des Ostsächsischen Schreib-Wettbewerbs (siehe dazu auch den Beitrag „Lessing, Lessing, nochmals Lessing”) wurde immer auch als eine Begegnung begabter junger Menschen verstanden, die in mehr oder weniger grenznahen Regionen im Osten und im Westen Deutschlands leben. Ihr Blick für das Miteinander über Grenzen hinweg hat sich aus der Erfahrung mit Nachbarstaaten gebildet, mit denen Deutschland eine vorwiegend konfliktreiche und in vieler Hinsicht verhängnisvolle Geschichte verbindet. In der Nachkriegszeit entwickelten sich die Beziehungen insbesondere zu Polen und Frankreich dann in extrem unterschiedlicher Weise. Dies sind die Voraussetzungen, unter denen diese und die nächste Generation einen Weg in ein gemeinsames Europa finden müssen. Der Austausch von Wissen und Erfahrung junger Deutscher aus Ost und West in einem gemeinsamen Seminar hat sich für alle Beteiligten als außerordentlich ergiebig erwiesen. Für diese Art Erfahrungsaustausch war es besonders förderlich, dass zwei der Preisträger-Seminare im Haus der Goethe-Stiftung in Klingenthal (Vogesen) stattfinden konnten.

Zur Geschichte des Preisträger-Seminars gehört auch die Tatsache, dass sich die Beziehungen zum Ostsächsischen Schreib-Wettbewerb vor dem Hintergrund einer größeren nationalen und internationalen Zusammenarbeit ergaben. Kurz nach der Wiedervereinigung wurde zwischen dem Deutschen Seminar der Universität Freiburg i. Br. und dem Lessing-Museums in Kamenz (Ostsachsen) eine enge Beziehung eingeleitet. Diese fügte sich in den Rahmen der partner­schaftlichen Kooperation, die beide Institutionen mit der Lessing Society an der Universität Cincinnati (Ohio/USA) verband. An jeder dieser Stellen hatten sich unterschiedliche Weisen des Umgangs mit der deutschen Sprache und Literatur herausgebildet. An der Universität Cincinnati wurde 1967 die erste Lessing Gesellschaft überhaupt gegründet; sie gibt seit 1968 das renommierte Lessing Year Book heraus. Das Lessing Museum in Kamenz leistete in den vergangenen Jahrzehnten Pionierarbeit in Hinsicht auf Museumspädagogik und auf die Visualisierung literarischer Werke. Die Präsentation der Dichtungen und der kritischen Schriften Lessings, aber auch seines intellektuellen Profils, die hier geleistet wurde, ist beispielhaft und sucht in Deutschland ihresgleichen. Am Deutschen Seminar der Universität Freiburg i. Br. besteht seit langem ein Forschungsschwerpunkt „Lessing“; 1991 fand hier eine große Lessing-Tagung mit dem Rahmenthema „Streitkultur“ statt, an der auch Dieter Fratzke, der Leiter des Lessing-Museums in Kamenz, und mehrere Vertreter der Lessing Society in Cincinnati teilnahmen.

Vor diesem Hintergrund überregionaler und internationaler Zusammenarbeit lag es nahe, auch das Preisträger-Seminar des Landeswettbewerbs in einen größeren gesamtdeutschen und internationalen Horizont zu stellen. Begabtenförderung bedeutet für das Preisträger-Seminar auch, den Teil­nehmern ein Stück Orientierung an einem zukünftigen Europa zu vermitteln, in dem eine übernationale Perspektivierung ebenso selbstverständlich ist wie ein partnerschaftliches Miteinander, auch über Grenzen hinweg.    

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