12. Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg 2002

 

zurück

 

Schüler schreiben zu Lessing

   

Die Gäste aus Sachsen

 sind Preisträger des Schüler-Schreib-Wettbewerbes des Lessing-Museums Kamenz

Leitung: Carsta Delitzscher

Zu den Preisträgern


„Wenn man heute jung ist, läuft man schnell Gefahr, für einen Schwachkopf gehalten zu werden, fun-versessen und von einer Gedankenschärfe wie der Griff eines Tomatenmessers. Man muss nur seine SMS abrufen und schon finden sich kopfschüttelnde Eltern: Kind, du vereinsamst, du verlernst das Reden. –  Geht man ins Netz und holt sich mit ein paar Mausklicks die Datenwelt auf den Tisch, ist zu befürchten, dass der Sohn oder die Tochter im Virtuellen verloren geht. Außerdem : die Augen!! und draußen scheint die Sonne! und überhaupt: das –richtig richtige Leben – ist ganz anders, sagt die Mutter und beugt sich über den Pichelsteiner, - genau! - raunzt der Vater und wettet wer das Rennen bei Big Brother macht. Und erst die Musik! Donnernde Bassbeats, Krawall!, ja und wo denn wohl wird da noch ordentlich gesungen?!

Kurz, der junge Mensch unserer Gegenwart, die Hoffnung unserer Zukunft, hat viereckige Augen, ist taub, weiß nicht wie rum man sein Base-Cap aufsetzen muss, hat Schwimmringe von Chips und Cola und piepst aus der Hosentasche....“

(Aus der Rede von Oliver Bukowski zur Abschlussveranstaltung des Kamenzer Schreib-Wettbewerbes.)

Das dem nicht so ist, beweisen nicht nur die mit großem Erfolg aufgeführten Stücke des  Theaterautors und Lessing-Förderpreisträgers Bukowski, sondern auch die Schreibfreudigkeit der 66 Teilnehmer aus der Region Ostsachsen, die 2002 ihre Arbeiten an das Lessing-Museum sandten.  

Lessing-Museum, Lessing und Kamenz?

Im Jahre 1729 wurde am 22. Januar der Dichter Gotthold Ephraim Lessing in dem Oberlausitzer Städtchen Kamenz geboren. Zweihundert Jahre später, 1929, baute man hier ein Lessinghaus, wo bis heute das Lessing-Museum sein Domizil hat. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich zu einer Literaturstätte, die nicht nur eine moderne, attraktive Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung Lessings präsentiert, sondern auch eine vielfältige museumspädagogische Arbeit leistet, zu der unter anderem der Wettbewerb „Schüler schreiben zu Lessing“ gehört.

Seit elf Jahren organisiert das Museum den Wettstreit, der sich an alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 richtet, die gern schreiben. Ob Erzählung, Gedicht, Dialog oder Brief – über die literarische Form entscheiden die jungen Autoren selbst. Für den Inhalt stehen ihnen jeweils drei Themen zur Verfügung.

In den elf Jahren wurden 828 Texte zu 26 verschiedenen Themen eingereicht. Aus 44 teilnehmenden Gymnasien kamen insgesamt 122 Preisträger.

Und alle Teilnehmer konnten zur Abschlussveranstaltung interessante Autoren und Autorinnen kennen lernen, darunter Lessing-Förderpreisträger des Freistaates Sachsen.

Die Schriftsteller gaben in ihren Festreden nicht nur wertvolle Ratschläge für das Schreiben mit auf den Weg, sondern zeigten auch das Schwere und das Schöne daran.

So empfahl beispielsweise die Lessing-Förderpreisträgerin Kerstin Hensel den Teilnehmern zur Abschlussveranstaltung 1998: „... Schreiben lernt man nur durch lesen.“ Und weiter sagte sie: „Den Texten merkt man an, dass da noch viel zu schaffen ist. Man kann nicht früh genug mit Lesen anfangen, und aufhören kann man sowieso nicht. Lesen lernen ist schwer. Es meint nicht, dass man Buchstaben zu Worten zusammenzuziehen vermag. Lesen können ist gefährlich, denn wer viel liest, weiß viel, und wer viel weiß, ist nicht immer gern geduldet. Aber Lesen können macht letztendlich frei von den Zuschüttungen der Medien und sonstigen Lebensersätzen.“

Hervorragende sprachliche Gestaltung und ideenreiche inhaltliche Umsetzung werden mit einem Preis prämiert, „den man sich für Geld nicht kaufen kann“.

Die Besten der 9. und 10. Klassen erlebten bisher stets interessante Begegnungen mit den Förderpreisträgern zum Sächsischen Lessing-Preis. Sie waren entweder bei ihnen zu Gast oder konnten, wie in den letzten sechs Jahren, von ihrem Know-how in einer Schreib-Werkstatt lernen.

Seit 1992 sind die vier Preisträger der Klassenstufe 11/12 jährlich Gäste beim mehrtägigen Abschluss-Seminar des Landeswettbewerbes „Deutsche Sprache und Literatur“ Baden-Württemberg.

Das sind mittlerweile elf Jahre, in denen sich Jugendliche aus Ost und West, Jugendliche mit ähnlichen Interessen, Jugendliche mit der gleichen Leidenschaft – dem Schreiben – trafen und kennen lernen konnten.

Für diese jährliche Einladung sei an dieser Stelle dem Kuratoriumsvorsitzenden Herrn Dr. Ewald, dem Kuratorium und dem Kultusministerium Baden-Württemberg herzlich gedankt.

 

Carsta Delitzscher

Lessing-Museum Kamenz  

Kamenz, Literaturmuseum im Lessinghaus (erbaut 1929 - 1931)


NACH OBEN