14. Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur

 BadenWürttemberg 2004

 

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 Aktualisierung: 9.8.2004

Grußwort und Seminarprogramm

Grußwort

Liebe Preisträgerinnen,liebe Preisträger,

„Was wettet Ihr“, fragt Mephistopheles den Herrgott keck und herausfordernd, der, er wäre nicht Gott, sich auf das Wettgeschäft selbstverständlich nicht einlässt. Dies aber tut, wie man weiß, Johann Faust, sein „Knecht“. Das unmo-ralische Wettpfand besteht in nichts Geringerem als seiner Seele: „Topp“, triumphiert der Teufel mit schlauem Grinsen, „die Wette gilt.“ – Das Wetten, lernt man, ist des Teufels. Fausts Schicksal ist besiegelt und warnt vor Nachahmung.

Das Wort „Wettbewerb“ hat augenscheinlich mit „Wette“ zu tun, Es ist ein altes Wort, das sich schon in mittelalterlichen Texten findet und dort in der Regel soviel bedeutet wie Pfand oder Einsatz beim Spiel. Das vergleichsweise junge Kompo-situm „Wettbewerb“ ist eine Wortneuschöpfung des 19. Jhs. Es löst das vom lateinischen concurrere (mitlaufen, zusammen-treffen) gebildete Wort „Konkurrenz“ ab. Im Französischen hat sich dieser Begriff in seiner alten Bedeutung bis heute erhalten. Ein Concours du sport zum Beispiel, bezeichnet eine Veranstaltung, deren Sinn darin besteht, herauszufinden, welcher Werfer, Springer oder Läufer, seine Disziplin am besten beherrscht und den Meistertitel verdient. Mit Glück hat Erfolg manchmal ein wenig zu tun, viel mehr aber mit Anstrengung, Befähigung, Motivation und Fleiß.

Auch Sie, verehrte Preisträgerinnen und Preisträger haben sich einem Concours gestellt. Ihre „Wett“bewerbsteilnahme hat mit Glücksspiel nichts zu tun. Seinem Wesen nach fordert er die Leistung des Tüchtigen, nicht das Glück des Spielers. Der Erfolgreiche muss nicht seine Seele verpfänden, wohl aber Mühe und Anstrengung auf sich nehmen. Einbildungskraft ist dabei ebenso wichtig wie Strukturiertheit, Denk- und Organisationsvermögen, sprachliche Sicherheit, Disziplin und Durchhaltekraft. Vor den Lohn, heißt es, haben die Götter den Schweiß gestellt.

Seien Sie willkommen in den Räumen des ehemaligen Klosters Obermarchtal zum 14. Seminar der Landespreisträger. Diesen Titel haben wir Ihnen zugedacht. Er ehrt Sie, hebt Sie heraus und zahlt sich vielleicht sogar aus. So dürfen Sie Ihren Titel zum Beispiel in künftigen Bewerbungen anführen. Sie werden ihn wohl kaum in Ihren Briefkopf aufnehmen und sich schon gar nicht mit neuen Visitenkarten schmücken. Im Lebenslauf jedoch sollte die Angabe wirklich nicht fehlen. Sie dürfen stolz sein auf Ihre Auszeichnung. Ihre Eltern, ihre Lehrer sind es sicher auch. Da und dort wird vielleicht auch ein wenig Neid aufkommen. Möglicherweise unter den mehr als 500 Wettbe-werbsteilnehmern, die „leer“ ausgingen, obwohl auch viele von ihnen eine Menge Zeit und Kraft investiert haben.

Sie gehören zu den 23 Auserwählten, deren Beiträge zwar nicht vollkommen sein mussten, aber in besonderer Weise überzeugen konnten, sei es durch Ideenreichtum, Genauigkeit der Beobachtung, Differenziertheit der Themenerschließung und der Reflexion, durch Angemessenheit und Originalität der Darstellungsform. Erinnern sich? Sie kennen diese Kriterien, haben sie in der Ausschreibung gelesen und sich erfolgreich daran orientiert. –

Die Einladung zum Preisträgerseminar in Obermarchtal ist neben der ideellen Bedeutung des Preises ihr wertvollstes Geschenk. Wir bringen damit unsere Anerkennung zum Ausdruck. Wir freuen uns über Ihre Leistungen und beglück-wünschen Sie dazu. Diese Broschüre haben wir vor allem für Sie erstellt, zur Begleitung durch das Seminar, zur Erleichterung des gegenseitigen Kennen Lernens und nicht zuletzt zur Erinnerung an außergewöhnliche Tage Ihres Lebens. Sie enthält neben nützlichen Programmhinweisen vor allem eine Sammlung repräsentativer Textstellen aus Ihren Arbeiten. Der einzelne, von Juroren ausgesuchte, in der Regel leicht redigierte Text will einen Eindruck von der Grundidee, der Arbeitsweise und Ausdruckskraft des Verfassers vermitteln. Der gewählte Rahmen zwang zur Beschränkung auf exempla-rische Stellen, die Leseproben bieten und Interesse an den Arbeiten wecken wollen.

Wir haben uns bemüht, ein Seminarprogramm zu erstellen, das den Fähigkeiten und Neigungen entgegenkommt, die Sie mit Ihren Wettbewerbsbeiträgen unter Beweis gestellt haben. Es soll Ihnen als Schreibenden Erfahrungsaustausch bieten, vielfältige Anregungen vermitteln und reichlich Gelegenheit schaffen zur Begegnung mit Persönlichkeiten aus Kultur, Kunst, Wissenschaft und Medien.

Für unsere Begegnung haben wir einen besonderen Ort gewählt. Obermarchtal, das ehemalige Kloster der Prämon-stratenser, öffnet uns seine altehrwürdigen Räume und nimmt uns auf in seine Welt des Geistes, der Musen, der Bildung, der Heiterkeit und der Stille. –

Ich möchte allen danken, die das Seminar ermöglicht haben. Besonders erwähnen möchte ich unsere Kultusministerin, Frau Dr. Annette Schavan, die Mitglieder des Kuratoriums, die Referentinnen und Referenten und nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie, die erneut als fürsorgliche Gastgeber zum guten Gelingen unserer Begegnung beitragen werden.Ich wünsche uns allen harmonische, bereichernde und unvergessliche TageJuli 2004

Klaus-Peter EwaldVorsitzender des Kuratoriums


Das Seminarprogramm

Dienstag, 13. Juli 2004

11.30 Uhr Eröffnung des Preisträgerseminars
DR. KLAUS-PETER EWALD
VORSITZENDER DES KURATORIUMS

12.00 Uhr Mittagessen

13.30 Uhr Werkstattgespräch
Moderation
ULLA EWALD-SPILLER, SUSANNE LUTZ,
 
DR. MICHAEL EGERDING, ALLE KURATORIUM

16.30 Uhr Führung durch die Klosteranlage
DR. HEINRICH BÖCKERSTETTE, AKADEMIELEITER
OBERMARCHTAL, LEITER DES STUDIENKOLLEGS

18.00 Uhr Abendessen

20.15 Uhr Zum Schreiben anstiften:
Schreibseminar

ULLA EWALD-SPILLER,
FRAUKE MÜHLE-BOHLEN, KURATORIUM

 

Mittwoch, 14. Juli 2004

8.00 Uhr Frühstück

9.00 Uhr Mörike – Eine Einführung
ULRICH MEYER, KURATORIUM

10.00 Uhr Mörike! Er ist‘s!
Szenische Vita mit Musik

THEATER LINDENHOF, MELCHINGEN

13.00 Uhr Mittagessen unterwegs

14.00 Uhr Oberschwäbischer Barock
Exkursion nach Steinhausen und Schussenried

PROF. DR. SIEGFRIED KÖRSGEN, KURATORIUM
PROF. DR. KLAUS MÖNIG, KURATORIUM

18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr Vom Landespreis zur Studienstiftung –das Qualifikationsverfahren
DR. KLAUS-PETER EWALD

20.30 Uhr Vorhang auf! - Workshop (1)
WERNER JAUCH, THEATERREFERENT

 

Donnerstag, 15. Juli 2004

8.00 Uhr Frühstück

9.00 Uhr Schiller, Marbach und Moneten
PROF. DR. ULRICH OTT
LITERATURARCHIV MARBACH

10.15 Uhr Schiller, Marbach und Moneten
Der politische Schiller

DR. ROMAN LUCKSCHEITER
UNIVERSITÄT HEIDELBERG

12.00 Uhr Mittagessen

14.30 Uhr Begegnung mit Medien
Vom Schreiben leben
DR. PETER W. JANSEN
PUBLIZIST – RUNDFUNK- UND FERNSEHJOURNALIST - FILMKRITIKER

Vom Bücher-Machen leben
KLAUS HOLOCH, KURATORIUM
LEITER DER PRESSE- & INFORMATIONSABTEILUNG
BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT, DUDEN – VERLAG, MANNHEIM

18.00 Uhr Abendessen

20.00 Uhr Vorhang auf! – Workshop (2)
WERNER JAUCH, THEATERREFERENT

Freitag, 16. Juli 2004

8.00 Uhr Frühstück

8.45 Uhr Orgelmeditation
DR. MICHAEL EGERDING, KURATORIUM

9.45 Uhr Rückblick
Begegnungen – Entdeckungen – Erfahrungen
ULLA EWALD-SPILLER, FRAUKE MÜHLE-BOHLEN

10.45 Uhr Abfahrt nach Stuttgart

13.30 Uhr Empfang und Preisverleihung
Marmorsaal im Neuen Schloss in Stuttgart
MINISTERIALDIRIGENT KONRAD HORSTMANN
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
Baden-Württemberg

15.30 Uhr Ende des Seminars


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